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| > Heilige und Selige > Märtyrer des 20. Jahrhunderts | ||
Zeugnis für Christus - Rerdemptoristen der Kölner Ordenprovinz im Martyriologium 2000Einleitung von Pater Dr. Rolf Decot CSsR Im Herbst 1999 erschien das im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebene Martyrologium deutscher Blutzeugen im 20. Jahrhundert. Mit dem apostolischen Schreiben "Tertio millenio adveniente"vom 10. November 1994 lud Papst Johannes Paul II. zur Begehung des Jubiläumsjahres 2000 ein. In diesem Schreiben wird auch auf die geschichtliche Situation der Kirche am Ende dieses leidgeprüften Jahrhunderts mit seinen zwei Weltkriegen eingegangen. Unter anderem heißt es dort "Am Ende des 2. Jahrtausends ist die Kirche erneut zur Märtyrerkirche geworden. Die Verfolgungen von Gläubigen - Priestern, Ordensleuten und Laien - hat in verschiedenen Teilen der Welt eine reiche Saat von Märtyrern bewirkt. Das Zeugnis für Christus bis hin zum Blutvergießen ist zum gemeinsamen Erbe von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern und Protestanten geworden, wie schon Paul VI. in der Homilie bei der Heiligsprechung der Märtyrer von Uganda betonte. Das ist ein Zeugnis, das nicht vergessen werden darf" (Nr. 37). Mit diesen Äußerungen hat Papst Johannes Paul II. den Anstoß gegeben, eine alle Kontinente umfassende Märtyrergeschichte des 20. Jahrhunderts in Angriff zu nehmen. Für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz liegt das Ergebnis dieser Bemühungen nunmehr vor: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Das Werk umfaßt 2 Bände mit zusammen rund 1500 Seiten. Es enthält mehr als 700 Biographien katholischer Märtyrer und Märtyrerinnen. Die Kriterien für die Aufnahme in dieses Werk waren streng. Es ging nicht darum, alle in diesem Jahrhundert wegen ihres Glaubens Verfolgten aufzunehmen. Die Zahl wäre viel zu groß gewesen. Zugrunde gelegt wurden die Bestimmungen, die der spätere Papst Benedikt XlV. (1740-1758) - im übrigen der gleiche Papst, der die Redemptoristen anerkannte, - in seinem Werk "Über die Seligsprechung der Diener Gottes und die Heiligsprechung der Seligen", entwickelt hatte. Zu diesen Kriterien gehört die Tatsache des gewaltsamen Todes, das Motiv des Glaubens- und Kirchenhasses bei den Verfolgern und die Ergebenheit des Opfers in Gottes Willen trotz Lebensbedrohung. In dieses Verzeichnis sind aus dem Bereich der Kölner Provinz der Redemptoristen drei Zeugen für Christus aufgenommen worden. Einer starb infolge medizinischer Versuche, die an ihm im Konzentrationslager Dachau durchgeführt worden waren. Zwei andere kamen nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft unter den Kommunisten ums Leben. In dieser kleinen Schrift werden die drei Redemptoristenpatres, die in das Martyrologium aufgenommen worden sind, vorgestellt. Der Text ist gegenüber dem Martyrologium erweitert, stellt aber insgesamt keine Biographie dar, sondern konzentriert sich auf ihr Zeugnis für Christus, das sie mit ihrem Leben abgelegt haben. Die drei Patres stehen stellvertretend für viele Redemptoristen, die unter schwierigsten Umständen ihrer Berufung treu blieben und ihren Dienst für die Kirche und an den Menschen versehen haben. Etliche litten in Gefängnissen, Konzentrationslagern oder durch andere Maßnahmen. Uns allen sollen sie gemäß dem päpstlichen Projekt Leitbilder sein, die uns helfen, die Aufgaben des Dritten Jahrtausends in Angriff zu nehmen. Literatur: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. 2 Bde. Paderborn 1999. PATER JOSEF AVERESCH CSSRAm 1. April 1902 wurde den Eheleuten Karl Averesch und Johanna, geb. Pelle, zu Hörstel im Kreis Tecklenburg als ältestes von neun Kindern ihr Sohn Hermann Josef geboren, der später Josef gerufen wurde und sich selbst so nannte. Nachdem er Ostern 1916 die achtjäh-rige Schulzeit an der katholischen Volksschule seines Heimatortes beendet hatte, bereitete er sich durch einen einjährigen Privatunterricht auf die Aufnahme in die Untertertia des humanistischen Gymnasiums Dionysium in Rheine vor. Nach dem Abitur arbeitete er ein Jahr lang in der Landwirtschaft, weil er ursprünglich Landwirtschaftslehrer werden wollte. Nachdem er durch einen Verwandten die Redemptoristen kennen gelernt hatte, stellte er dort 1924 einen Aufnahmeantrag und absolvierte ab August 1924 in Luxemburg das ein-jährige Noviziat. Nach zwölfsemestrigem philosophisch-theologischem Studium an der Ordenshochschule in Hennef/Sieg wurde er am 27. April 1930 in Knechtsteden zum Priester geweiht. Seinen ersten Auftrag erhielt er als Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch im Jahre 1931 am Ordensgymnasium in Bonn. Zur vorgesehenen Ausbildung als Gymnasiallehrer kam es nicht, da Pater Averesch sich hierzu nicht berufen fühlte und der Arzt gesundheitli-che Bedenken äußerte. Ab Ostern 1932 bereitete sich Pater Averesch im sogenannten Zweiten Noviziat auf seinen künftigen Einsatz als Volksmissionar vor. In den folgenden Jahren gehörte er als Volks-missionar den Klöstern Glanerbrück (Oktober 1932 bis Juli 1933), Bochum (Juli 1933 bis September 1933), Trier (September 1933 bis Februar 1935), wiederum Bochum (Februar 1935 bis März 1937), Rheine (März 1937 bis September 1939) und Heiligenstadt (ab Sep-tember 1939) an. Während all dieser Zeit nahm er mit großem Eifer an verschiedenen Ge-meindemissionen teil und verkündete hier mit großer Überzeugungskraft das Evangelium. Von Heiligenstadt aus leitete er zu Beginn des Krieges religiöse Wocheneinkehrtage und predigte in verschiedenen Nachbarpfarreien. Vom 3. bis 6. Januar 1941 hielt er ein Tri-duum in der Pfarrei Bischofferode im Eichsfeld. Hierbei machte er einen so guten Ein-druck, dass der Pfarrer ihn bat, in den folgenden vier Wochen seine Vertretung zu übernehmen. Während dieser Zeit wurde er bei der Gestapo denunziert und anschließend verhaftet. Äu-ßerer Anlass war die Beichte einer Frau am 25. Januar 1941 abends gegen 19 Uhr. Warum man sich dafür interessierte, wird aus den Berichten nicht ganz deutlich. Pater Averesch selbst äußerte sich auch in späteren Jahren hierzu verständlicherweise nicht. Zumeist findet sich der Hinweis auf ein kompliziertes, den kirchlichen Vorschriften widersprechendes Eheverhältnis einer Tochter der beichtenden Frau. Als Denunziant wird einmal diese Frau, sodann deren Sohn genannt. In staatsanwaltlichen Ermittlungen nach dem Kriege ist von strittigen Grundstücksfragen die Rede. Der verstorbene Ehemann der Frau soll dem katho-lischen Schwesternhaus in Bischofferode ein Grundstück hinterlassen haben, auf das auch andere, möglicherweise Angehörige der NSDAP, Anspruch erhoben hatten. Aufgrund der Denunziation wurde Pater Averesch am 6. Februar 1941 im Kloster Heili-genstadt von der Gestapo abgeholt und zu einem Verhör in das Rathaus gebracht. Damit begann sein bis Kriegsende dauernder Leidensweg. Ausführlich hat Pater Averesch das Verhör und eher knapp die darauf folgenden Leidensjahre in zwei Berichten geschildert. Den ersten lieferte er am 6. Februar 1947 für seinen Mitbruder Pater Mühlen, der ihn in der Zeitschrift der Redemptoristen, dem „Volksmissionar“, veröffentlichte. Der zweite Bericht stammt vom 27. Februar 1947, wurde an Pfarrer Emil Thoma übersandt und später von Pfarrer Eugen Weiler herausgegeben. Die Berichte sind nicht völlig identisch, aber in ihren wesentlichen Aussagen gleichlautend. Neben ihrem Aussagewert für das persönliche Schicksal von Pater Averesch lassen sie die Verhörmethoden der Nazis erschreckend le-bendig werden. Ein erstes Verhör fand gleich, nachdem Pater Averesch durch die Gestapo abgeholt worden war, im Heiligenstädter Rathaus statt. Der verhörende Gestapobeamte Göring versuchte, ihn, nicht persönlich, sondern eher als Repräsentant einer bestimmten gesellschaftlichen Richtung, anzugreifen. Trotz seines Widerspruchs wurde er als jemand bezeichnet, der mit der Zentrumspartei in enger Verbindung stehe. Dies konnte insofern ein Vorwurf sein, als damals alle Parteien gleichgeschaltet bzw. verboten waren. Sodann wurde Pater Averesch auf den äußeren Anlass der Verhaftung, nämlich die Beichte einer Frau K. aus Bischofferode angesprochen. Aus dem Bericht Pater Avereschs wird deutlich, dass es dem Gestapo-mann gar nicht darum ging, irgendwelche Sachverhalte aufzuklären, sondern ihn in die Ecke zu treiben, denn es musste ihm klar sein, dass dieser eine Frage nach dem Inhalt der Beichte nicht beantworten konnte. Die Zielrichtung des Verhörs wird dann deutlich aus dem schriftlichen Protokoll, das Pater Averesch unterschreiben musste. Dieses gab nämlich nicht den wirklichen Verlauf der Un-terredung wieder, sondern war eine einseitig zugespitzte Darstellung. Zunächst hieß es dort: „Averesch hat mit führenden Köpfen der Zentrumspartei in ständiger beratender Verbindung gestanden.“ In bezug auf die Beichte stand im Protokoll nur, Pater Averesch ver-weigere die Aussage. Der Grund, dass er sich auf das vom bürgerlichen Gesetzbuch ge-schützte Beichtgeheimnis berufen hatte, war weggelassen. Pater Averesch korrigierte hand-schriftlich im Protokoll diese Entstellungen und unterschrieb es sodann. Am nächsten Tage wurde er von der Gestapo in das Polizeigefängnis Erfurt verbracht. Nach etwa 14 Tagen erfolgte ein zweites Verhör, wiederum durch den Gestapobeamten Göring. Im Verlauf des Verhörs zeigte er ihm das in Heiligenstadt aufgesetzte Protokoll. Es war inzwischen erneut gefälscht worden, indem nämlich die Korrekturen, die Pater Averesch angebracht hatte, wegretuschiert, und die Unterschrift dermaßen unter den Text plaziert worden war, dass die Retuschen nicht mehr auffielen. Der Aufenthalt im Polizeigefängnis von Erfurt dauerte bis zum 19. Juli. Danach wurde er nach Buchenwald verlegt und musste in einer Strafkompanie im Steinbruch arbeiten. Nach-dem er dort ernsthaft erkrankte, wurde er am 17. September 1941 nach Dachau verlegt, wo er am 19. September ankam. Hier gehörte er zunächst zu der für katholische Priester und Ordensangehörige bestimmten Abteilung. Während seiner Haftzeit hielt Pater Averesch mit seinem Orden Kontakt durch Briefe an den Pater Provinzial. Häufig scheinen diese auch den Umweg über seine Familie genommen zu haben, mit der er, soweit es möglich war, einen regen Austausch hatte. Die Familie Averesch bemühte sich auch intensiv um die Freilassung von Pater Averesch. Über einen Rechtsanwalt wurde sie in Berlin vorstellig, und hat wahrscheinlich auch versucht, in Dachau zu intervenieren. Die Geheime Staatspolizei hat aber alle diese Bemühungen abge-blockt. In einem Schreiben der Staatspolizeistelle Weimar vom 21. Juli 1941 heißt es: „Averesch wurde auf Anordnung des Geheimen Staatspolizeiamtes Berlin wegen missbräuchlicher Ausnutzung seiner Amtstätigkeit als Geistlicher in Schutzhaft genommen und inzwischen in das KZ-Lager Dachau überführt. Der Schutzhaftvorgang wird künftig von mir bearbeitet. Ich bitte, den Sanitätsgefreiten Averesch auf seine Eingabe vom 17. Juni 1941 mündlich zu bescheiden, dass eine Entlassung seines Bruders aus der Schutzhaft zurzeit nicht möglich ist.“ Die Verhaftung und Inhaftierung im KZ Dachau scheint eine reine Willkürmaßnahme gewesen zu sein. Pater Averesch hat hierzu wenig Verwertbares geäußert. Nur gegenüber der Staatsanwaltschaft in Nordhausen erklärte er im April 1947, dass der Gestapobeamte Gö-ring, der ihn zweimal vernommen hatte, „als fanatischer Verfolger der Geistlichen beider Konfessionen bekannt“ gewesen sei. Im August 1942 wurde Pater Averesch im KZ Dachau für medizinische Versuche miss-braucht. Für ein Jahr lang kam er auf die Malariastation, wo die Häftlinge mit Malariabazillen geimpft wurden. Leiter dieser Station war Prof. Claus Schilling, der mit Hilfe dieser Versuche ein Serum für die malariakranken Soldaten in Afrika entwickeln wollte. Nach dem Kriege wurde der Arzt in einem Prozess 1946 zum Tode verurteilt. Es gelang im KZ Dachau, illegal einige Arzneimittel zu beschaffen. Diese und Lebensmittelpakete aus der Heimat ermöglichten Pater Averesch, wie anderen Häftlingen, damals das Überleben. In seinem Bericht heißt es: „Seitdem habe ich mir in Dachau bis zu meiner Ent-lassung unter der Hand Arzneimittel verschafft: Atebrin und Plasmochinin, die ich anwandte, sobald ich die Malaria spürte.“ Wenn sich Pater Averesch auch eine Zeitlang am Leben halten konnte, so war sein Körper durch die Malaria derart geschwächt und angegrif-fen, dass die mutwillig herbeigeführte Krankheit nach wenigen Jahren zu seinem Tode führte. Obwohl Pater Averesch nach seiner KZ-Zeit seine Arbeit als Volksmissionar wieder aufnahm, erlitt er immer wieder Schwächeanfälle und verbrachte lange Wochen bei seiner Familie in Hörstel. Ernstlich erkrankte er dann im Jahre 1949. Der damalige Chefarzt des Marienhospitals Osnabrück, der Pater Averesch untersuchte, stellte neben anderen Schäden bleibende Folgeerscheinungen der Malaria und eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen Abwehrkräfte durch diese Krankheit fest. Kurz vor Kriegsende wurde Pater Averesch mit 24 weiteren Geistlichen am 28. März 1945 aus dem KZ entlassen. Der Entlassungsschein ist noch von einem SS-Obersturmbannführer unterzeichnet. Erste Aufnahme fand Pater Averesch bei einem Mitbruder aus seiner norddeutschen Ordensprovinz, der seit September 1942 am Waisenhaus in Freising wirkte. Nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, arbeitete er von Anfang April bis zum August 1945 als Pfarrvikar in Tonndorf bei Landshut. Neben der Seelsorgstätigkeit pflegte er hier den erkrankten 80jährigen Pfarrer. Dennoch war er sehr froh, als er am 11. August die Gelegenheit fand, mit einem Auto in seine Heimat nach Hörstel mitgenommen zu werden. Nachdem er bis November 1945 sich auf seinem elterlichen Hof erholte, nahm er seine Seelsorgstätigkeit ab November 1945 im Redemptoristenkloster Rheine wieder auf. Mit großem Elan stürzte er sich in die Arbeit, hielt viele Volksmissionen, religiöse Wochen und Exerzitien. Jedoch war die Arbeit immer wieder von Fieberanfällen unterbrochen. Ende Dezember 1948 hielt er seine letzte Mission. Nachdem die ärztlichen Untersuchungen im Frühjahr 1949 ein schweres Leberleiden, verursacht durch die Malariainfektion im KZ Dachau, festgestellt hatten, verbrachte man ihn zur Erholung und Genesung ins Antoniuskrankenhaus seiner Heimatgemeinde Hörstel. Es folgten Wochen schwerer Krankheit, die Pater Averesch geduldig und im Wissen um seinen baldigen Tod ertrug. Er starb am 20. Juli 1949. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof seines Heimatortes in Hörstel. Das Andenken an ihn ist in seiner Heimat lebendig geblieben. Im Alten Rathaus in Rheine ist sein Name auf einem Gedenkmosaik verzeichnet, neben aus rassenideologischen Gründen umgebrachten Rheiner Bürgern jüdischen Glaubens sowie drei weiteren Bürgern, die aus politischen Gründen verfolgt und umgebracht wurden. Der Bildstock auf seinem Grab trägt die Inschrift „Zeuge für Christus“. Quellen: BAM, Slg. NS-Verf., Akte: Josef Avaresch (Nach Frieling, S. 79). Provinzarchiv der Redemptoristen Köln, Akte: Averesch. Literatur: Decot, Rolf, Redemptoristen (Joseph Averesch, Bernhard Klodwig, Josef Kolfenbach), in: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, hrsg. von Helmut Moll. Paderborn 1999, Band II, S. 842-848. Decot, Rolf, Zeugnis für Christus. Redemptoristen im Martyrologium 2000. Bonn 1999. Erlen, Peter: Ein Ordenspriester mit Rückgrat. In: Rheiner Volksblatt Nr. 77 (1. April) 1984, S. 9. Frieling, Christian: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Münster 198 , S.74-79. Gedenkblätter der Kölner Ordensprovinz der Redemptoristen. Bd. 2 (Heft 14). 1981, S. 30-57. Hehl, Ulrich von (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung. (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, 37).Mainz ²1985, Sp. 497. Hehl, Ulrich von, Kösters, Christoph u. a. (Bearb.), Priester unter Hitlers Terror. Eine bio-graphische und statistische Erhebung. 2 Bde. Paderborn u.a. ³1996, S. 664. Neuhäusler, J.: Kreuz und Hakenkreuz. Bd. 1. München 1946, S. 339. Opfermann, Bernhard / Pilvousek, Josef: Kirchliche Opfer des Faschismus im Bereich des heutigen Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. Erfurt 1982, S. 8 f. Opfermann, Bernhard: Das Bistum Fulda im Dritten Reich. Fulda 1987, S. 103. Opfermann, Bernhard: Gestalten des Eichsfeldes. Religiöse Lebensbilder. Leipzig, Heili-genstadt 1968, S. 142, Nr. 34. Schepers, Hermann: Dionysianer als Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. In: Verein alter Dionysianer, Rheine an der Ems. Nachrichtenblatt Nr. XLVIII, Mai 1986, S. 39-41. Schnabel, Reimund: Die Frommen in der Hölle. Geistliche in Dachau. Berlin 1965, S. 210, Nr. 48. Siebert, Heinz: Das Eichsfeld unter dem Hakenkreuz. Eine Dokumentation. Paderborn 1982, S. 70-74. Weiler, Eugen (Hrsg.): Die Geistlichen in Dachau sowie anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Mödling bei Wien 1971, S. 110, 801-804. Weiler, Eugen (Hrsg.): Die Geistlichen in Dachau sowie anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Bd. 2. Lahr 1982, S. 170-175. Pater Josef Kolfenbach CSsRJosef Peter Kolfenbach wurde am 2. Januar 1905 in Honnef am Rhein geboren, wo sein Vater als Gärtner arbeitete. Er hatte noch einen Bruder, der Hans hieß. Seit Ostern 1921 besuchte er das Ordensgymnasium der Redemptoristen in Bonn. Nach Abschluss der gymnasialen Studien war er von Ostern 1923 bis Ostern 1924 im Noviziat in Luxemburg. Anschließend machte er seine theologischen Studien bis 1930 im Studienhaus der Redemptoristen in Hennef/Geistingen. Die Priesterweihe hatte er am 7. April 1929 in Knechtsteden empfangen. Nach einem ersten praktischen Einsatz in Bochum von 1930-1931 absolvierte er 1931 das zweite Noviziat, d. h. die Ausbildung zum Volksmissionar in Aachen. Anschließend war er in Schlesien und Ostpreußen tätig: Zunächst in Glogau von 1931-1933, dann in Braunsberg von 1933-1934, wo er zur Hauskonsulta gehörte. Die gleiche Aufgabe hatte er dann wiederum in Glogau von 1934-1937, in Gleiwitz von 19371939, und seit 1938 in Braunsberg. Während des Krieges seit etwa 1942 wurde er Administrator der Pfarrgemeinde Freudenberg bei Braunsberg. Hier erwarb er sich durch seine Seelsorgstätigkeit hohes Ansehen. In der Nachbargemeinde Süßenberg war damals Dr. Gerhard Fittkau als Pfarrer tätig. Nachdem die Sowjetarmee im Januar 1945 Ostpreußen besetzte, erlitten die beiden Männer zunächst ein gleiches Schicksal. In seinem bekannten Buch "Mein 33. Jahr" hat Gerhard Fittkau seinem Freund und Mitbruder im geistlichen Amt ein bedeutsames Denkmal gesetzt. Nach dem Einmarsch der Sowjetarmee konnte Pater Kolfenbach zunächst seinen pfarrlichen Pflichten weiter nachkommen. Ende Februar 1945 jedoch erhielt er den Befehl, zur sowjetischen Kommandantur zu kommen. Da ihm versichert wurde, er werde gleich wieder zurückgehen können, nahm er nichts mit. Auf der Kommandantur jedoch wurde er dann verhaftet und hat seine Gemeinde nie wiedergesehen. Wie sich später herausstellte, wurde ihm und anderen Geistlichen beider Konfessionen vorgeworfen, als Geistlicher habe er Waffen und Kanonen gesegnet, die gegen die Sowjetunion eingesetzt worden seien. Zunächst wurde Pater Kolfenbach nun in ein Sammellager nach Heilsberg transportiert, wo er mit seinem Nachbarpfarrer Gerhard Fittkau zusammentraf. Dieser schildert das Zusammentreffen wie folgt: "Nachdem der gefürchtete ältere Posten verschwunden war, lief ich rasch zum nächsten Kellerfenster, aus dem mich ein großes rotbärtiges Gesicht freundlich anlächelte. Da ich nicht gleich erwartungsgemäß reagierte, fragte mich der gute Mann, der aus dem Dunkel des Kellerraumes um eine Kopflänge über seine Mitgefangenen herausragte, etwas enttäuscht: "Erkennen Sie mich denn nicht?" So vertraut mir die Züge vorkamen, ich wusste im Augenblick beim besten Willen nicht, um wen es sich handelte. Als ich den Inhalt meiner Schöpfkanne in seine rostige Blechbüchse goss, sagte er: "Schämen Sie sich Pfarrer Fittkau, daß Sie den Pater von Freudenberg nicht wieder erkennen!" Jetzt ging mir ein Licht auf: ich hatte Pater Josef Kolfenbach vor mir, einen Redemptoristen, der die Pfarrei Freudenberg verwaltet hatte, seitdem der rechtmäßige Pfarrer vor einigen Jahren von der Gestapo ausgewiesen worden war, weil er nach der Schule den Kindern Religionsunterricht erteilt hatte. Nach der Entdeckung Pater Kolfenbachs kehrte ich mit sehr viel leichterem Herzen zu meiner Arbeit zurück." Über Bardenstein ging es nach Insterburg. Dort wurden am 3. März 1945 die Gefangenen zu einem Eisenbahntransport in die Sowjetunion verladen. Pater Kolfenbach und Pfarrer Fittkau kamen in denselben Wagen mit insgesamt 46 Personen. Schon auf der Fahrt starben sieben Männer. Die Gemeinschaft, sofern man davon sprechen kann, die sich in dem Wagen gebildet hatte, wurde bei Zwischenaufenthalten immer wieder durcheinander gewirbelt. Pfarrer Fittkau und P. Kolfenbach gelang es, zusammenzubleiben. Pater Kolfenbach erkrankte unterwegs schwer. Nicht nur hygienisch und ernährungsmäßig waren die Zustände in den Wagen katastrophal, die Situation führte auch zu starken menschlichen Spannungen und Entgleisungen. Eine Gruppe Jugendlicher terrorisierte die schwächeren Mitgefangenen. Einzelne Häftlinge nahmen jedoch die angebotene Hilfe der beiden Priester in Anspruch, vor allem die Sterbenden waren dankbar für ihre Zuwendung. Fittkau und Kolfenbach versuchten sich durch Gebet und religiöse Gespräche vor der zunehmenden Verrohung zu schützen. Im rollenden Zug feierten sie aus dem mitgenommenen Schott-Meßbuch des Pfarrers Fittkau den Palmsonntag. Der Transport über Moskau und 2000 km weiter nordöstlich nach Sibirien ins Komigebiet an der Ischma dauerte drei Wochen. Am 27. März kam man am Ziel an. "Nach drei Wochen Finsternis im Güterwagen stach uns das grelle Licht der Außenwelt in die geblendeten Augen. Viele von uns sanken sofort im Schnee um ... (wir) marschierten zu dem engen, niedrigen Eingang eines primitiven Bauwerks aus Baumstämmen ... an jeder Seite des Gangs standen zwei Lagen Pritschen. Die Liegestätten waren aus rohem, ungehobelten Holz zusammengeschlagen ... Ein Benzinfass, auf einigen Ziegeln montiert, diente als Ofen und Herd ... Nach der schaurigen Bedrängnis der Güterwagenfahrt erschien uns diese rauhe Unterkunft geräumig und bequem. Hastig sah ich mich nach einem erträglichen Platz um und kletterte auf eine Pritsche der oberen Reihe. Pater Kolfenbach folgte mir. Er musste freilich sofort wieder hinuntersteigen. Er wusste, dass er schon viel zu schwach war, um öfters herauf- und hinunterklettern zu können.“ In der gleichen Baracke wurden Pfarrer Fittkau und P. Kolfenbach sogleich mit dem evangelischen Pfarrer Theodor Goebel aus Burgsolms bei Gießen bekannt. Pfarrer Fittkau hatte sein Schott-Messbuch bis hierher gerettet und Pfarrer Goebel eine vollständige Bibel. "Wir machten gleich Pläne für die Karwoche, die gerade begonnen hatte. Wir einigten uns, dass wenn eben möglich, Pastor Goebel am Karfreitag eine Andacht halten solle und ich in der Osternacht. Obwohl Pater Kolfenbach offensichtlich recht schwach war, blieben wir noch auf seiner Pritsche sitzen und plauderten weiter, bis der Posten erschien und uns abermals nach draußen beorderte.“ Trotz seiner offensichtlichen Krankheit wurde Pater Kolfenbach zunächst mit den anderen Gefangenen in Arbeitskolonnen eingeteilt. Mit Pfarrer Fittkau gehörte er zur dritten Kolonne im Lager 225. Das Lager hatte insgesamt Platz für 300 Insassen, von denen täglich bis zu zehn Personen starben. Bald nach der Ankunft verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Pater Kolfenbach rapide. Wahrscheinlich litt er an Typhus. „Als wir eine gute Weile vor dem Essen auf unsere Pritschen zurückkamen, war Pater Kolfenbach vollständig erschöpft. Er war nicht mehr imstande, dem Passionsbericht zu folgen, den ich aus meinem Schott-Meßbuch vorlas. Öfters musste ich aussetzen, während er in einen halb bewusstlosen Zustand glitt. Doch jedes Mal, wenn er daraus erwachte, bat er mich, mit der Lesung fortzufahren. "Nun beginne ich zu begreifen, was unser Herr gelitten hat“, sagte er einmal. Gerhard Fittkau stand seinem sterbenden Mitbruder bei. „Verabredungsgemäß begann Pastor Goebel, auf seiner Oberpritsche sitzend, seine Karfreitagspredigt. Aus seiner kleinen Bibel verlas er die Stelle vom guten Schächer, der zugleich mit Christus gekreuzigt worden war. Die Gefangenen hörten auf, sich zu zanken und in ihren Sachen herumzukramen. Der einzige Laut, der außer der warmen Stimme des Lesenden zu hören war, war das Knacken des Holzes im Ofen. Die anschließende Predigt war kurz und packend. Er schloss sie mit einem Gebet zu unserem gekreuzigten Herrn, er möge in unserer verzweifelten Lage bei uns bleiben und auch zu uns in unserer letzten Stunde sprechen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ Nach der Andacht dankte Pater Kolfenbach dem evangelischen Mitbruder für seine Worte und bat ihn um sein Gebet. Er war sich bewusst, dass er sterben musste. Wir beschlossen, gegenseitig unsere Beichte zu hören. Um mir die Absolution zu geben, konnte er nicht mehr die Hand vom Knie erheben, sondern nur mit einem Finger ein kleines Zeichen des Kreuzes machen. Zuletzt bat er mich, ihm das Sakrament der heiligen Ölung zu spenden. Ich griff in meine tiefste Tasche nach der kleinen Hautcreme-Dose mit dem geweihten Öl. Dieses Öl war genau ein Jahr zuvor am Gründonnerstag von unserem Bischof in Frauenburg geweiht worden. Wer hätte gedacht, dass seine Segensmacht bis in die gottverlassene Einöde der arktischen Tundra dringen werde?“ Am Karsamstag, dem 31. März 1945, wurde Pater Kolfenbach aus der Baracke ins Krankenrevier hinübergeschafft. Gerhard Fittkau durfte ihn begleiten und war bis zu seinem Tode am Karsamstag gegen 11 Uhr bei ihm. Nach dem ergreifenden Bericht von Gerhard Fittkau über das Sterben des Pater Kolfenbach hat er seine Leiden in vorbildlicher Geduld und außerordentlich tapfer ertragen. Seine letzte Sorge galt seiner Familie: „Meine arme Mutter, sie ist jetzt 82 Jahre alt, hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet, damit wir eine gute Erziehung bekommen konnten. Sie hofft, dass ich wiederkomme. Und mein Bruder ist auch verschollen, er hat sechs Kinder. Wenn Du zurückkommst, gib meiner Mutter diesen Rosenkranz und dieses Kreuz. Sag ihr, dass ich beim Sterben beides in meinen Händen gehalten habe. Und wenn Du kannst, tröste sie, und hilf meiner Schwägerin und ihren sechs Kindern.“ Das Bewusstsein verließ Pater Kolfenbach, während ihm am Karsamstagmorgen die Liturgie vorgelesen wurde. Der katholische und evangelische Geistliche, die ihm zu Freunden geworden waren, haben gemeinsam für ihn die Sterbegebete gesprochen. Seine letzte Ruhestätte fand Pater Kolfenbach mit den anderen verstorbenen Lagerinsassen in der Tundra nahe dem Lager. Quellen: Decot, Rolf, Zeugnis für Christus. Redemptoristen im Martyrologium 2000. Bonn 1999. Pater Bernhard Klodwig CSsRPater Bernhard Klodwig wurde am 7. September 1897 in Priment/ Posen als Sohn des Volksschullehrers Ernst Klodwig und seiner Ehefrau Hedwig, geborene Swoboda, geboren. Er hatte zwei Brüder, Karl und Ernst und zwei Schwestern Elfriede und Hedwig. Über seine jungen Jahre wissen wir kaum etwas. Mit 24 Jahren nahm er Kontakt zu den Redemptoristen auf. Zunächst war er ein halbes Jahr Postulant, d. h. er und die künftigen Mitbrüder hatten die Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen. Am 5. April 1922 bekam er das Ordenskleid und lebte nun ein Jahr im Noviziat in Luxemburg, wo er am 6. April 1922 die zeitlichen Gelübde ablegte. Nach dem Noviziat studierte er an der Ordenshochschule Kloster Geistingen in Hennef/Sieg von 1923 bis 1929. Kurz vor dem Abschlussexamen, wie es damals üblich war, wurde er am 15. April 1928 zum Priester geweiht. Seinen ersten Einsatz hatte er im Kloster Gleiwitz in Schlesien. Danach war er von 1929 bis 1932 in der Jugenderziehung in Patschkau/Schlesien tätig, wo die Redemptoristen ein Juvenat (Konvikt) unterhielten. Bereits nach einem Jahr wurde er als Sozius engster Mitarbeiter des Juvenatsdirektors. Im Jahre 1932 machte er sein zweites Noviziat, d. h. die Ausbildung zum Volksmissionar, im Kloster Aachen. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Glanerbrück war er ab Januar 1933 vor allem im Osten Deutschlands tätig, in Gleiwitz (1933), Braunsberg (1934), Breslau (1934-1936), Glogau (1936-1941), Patschkau (1941-1944) und schließlich ab Januar 1944 wiederum in Gleiwitz. Gegen Ende des Krieges, als viele Pfarrer aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihrer Gemeinde tätig waren, übernahmen die Redemptoristen in der Umgebung ihrer jeweiligen Klöster auch Aufgaben in den oft verwaisten Pfarreien. Auch Pater Klodwig wurde in den Pfarreien der Umgebung von Gleiwitz eingesetzt. Am 9. Februar 1945 war Pater Bernhard Klodwig beauftragt worden, sich für seine Pfarreinsätze die notwendigen Fakultäten beim amtierenden Erzpriester von Rauden, südlich von Gleiwitz, einzuholen. Als Priester kenntlich gekleidet, benutzte er diesen Gang, um auf dem Wege mehreren Christen die Krankenkommunion zu bringen. Auf seinem Weg wurde er wohl von drei Soldaten beobachtet. In einem Haus, in das er die Krankenkommunion brachte, fragten die Soldaten nach, ob es sich bei Pater Klodwig vielleicht um einen Spion handle. Sie unternahmen jedoch zunächst weiter nichts und ließen ihn seines Weges weiterziehen. Erst einige Stunden später meldete ein größerer Junge, dass er gemeinsam mit einem alten Mann von Soldaten gezwungen worden sei, vier erschossene Soldaten und einen Geistlichen zu beerdigen. Die Burse des Geistlichen, in dem dieser die Kommunion ausgeteilt hatte, war ihm von den Soldaten ausgehändigt worden. Erst nach Abschluss des Krieges konnten die verscharrten Leichen exhumiert werden. Aufgrund pathologischer Untersuchungen wurde festgestellt, dass Pater Klodwig aller Wahrscheinlichkeit nach mit Gewehrkolben erschlagen worden war. Seine letzte Ruhe fand Pater Klodwig auf dem Gleiwitzer Friedhof. Da Pater Klodwig eindeutig als Kleriker erkenntlich gekleidet war, ist der Mord ein kirchenfeindlicher Akt gewesen oder seine Mörder hielten ihn entweder für einen Spion oder für einen Beschützer der vier ermordeten Soldaten, bei denen es sich möglicherweise um Deserteure gehandelt haben könnte. Wegen seiner Seelsorgsarbeit ist Pater Klodwig noch heute in Gleiwitz und darüber hinaus bekannt und geschätzt. Das Kloster Gleiwitz wurde, wie die anderen Redemptoristenklöster in Schlesien, bei der Vertreibung der deutschen Patres an polnische Mitbrüder übergeben und konnte so dem Orden erhalten werden. Heute bestehen gute Beziehungen zwischen den Provinzen. Die polnischen Mitbrüder sind auch an der deutschen Vergangenheit ihrer Häuser interessiert. So gibt es aus dem Jahre 1997 eine Anfrage der polnischen Mitbrüder, die sich auf P. Klodwig bezieht. Vor allem die Bevölkerung von Rauden (Rudy Wielke), so heißt es da, hat ihn in guter Erinnerung und zeigt großes Interesse, mehr von seinem Leben zu erfahren. Leider sind die überlieferten Zeugnisse nicht sehr ergiebig. Als Priester erkenntlich gekleidet wurde er während eines seelsorgerlichen Einsatzes erschlagen und hat so mit seinem Leben Zeugnis für Christus abgelegt. Quellen:[/b) Provinzarchiv der Redemptoristen, Köln, Akte Klodwig; Johnnes Kaps, Tragödie Schlesiens, S. 155 u. 496; Brief von P. Jan Igielski CSsR, Gliwice, vom 5.6.1997. Decot, Rolf, Zeugnis für Christus. Redemptoristen im Martyrologium 2000. Bonn 1999. [b]Literatur: Provinzmitteilungen Nr.1 vom 6. Marz 1947, S.4f.(Nach einem mündlichen Bericht des Paters Friedrich Bergmann, der damals Rektor des Klosters Gleiwitz war.) Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. JahrhundertsBischof Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zur Vorstellung der Publikation "Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts", hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz - 2 Bände - (Paderborn u.a. 1999) am 18. November 1999 Papst Johannes Paul II. hatte eine zündende Idee, als er im Apostolischen Schreiben Tertio millennio adveniente vom 10. November 1994 – also vor genau 5 Jahren – die Ortskirchen aufrief, alle Männer und Frauen dem Vergessen zu entreißen, die um des christlichen Glaubens willen verfolgt und gewaltsam getötet worden sind. Im Kapitel über die "unmittelbare Vorbereitung" des Jubiläumsjahres 2000 heißt es: "In unserem Jahrhundert sind die Martyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ,unbekannt Soldaten‘ der großen Sache Gottes. Soweit als möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verlorengehen. Wie beim Konsistorium empfohlen wurde, muss von den Ortskirchen alles unternommen werden, um durch das Anlegen der notwendigen Dokumentation nicht die Erinnerung zu verlieren an diejenigen, die das Martyrium erlitten haben." (Nr. 37) Die Aufarbeitung der Vergangenheit unter den Bedingungen unserer Erinnerungsmöglichkeiten korreliert mit der Erschütterung der Denktradition seit der Shoa, insofern Vergangenheit nur fragmentarisch wahrgenommen werden kann. Sowohl die Sinnzerstörung als auch die Verweigerung des Sich-Erinnerns untermauern dies. Die durch die realisierte Sinnlosigkeit ausgelösten Verwerfungen, vor allem durch die Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommunismus, dürfen nicht verharmlosend und bloß durch Rituale, denen keine Konsequenzen folgen, vergegenwärtigt werden. Wir dürfen uns ebenso wenig aus unserer Verantwortung stehlen und die menschliche Leidensgeschichte verschleiern, sondern durch eine geläuterte Vernunft und eine erneuerte "Diakonie", der heutigen Caritas, dem oft geforderten Schluss-Strich entgegenwirken. Während des diesjährigen weltweiten Tags der Vereinten Nationen sprach UNO-Generalsekretär Kofi Annan die bedrückende Tatsache aus: "Das 20. Jahrhundert war das mörderischste Zeitalter der menschlichen Geschichte." Oder auf einer anderen Ebene mit den Worten Johannes Pauls II.: "Am Ende des zweiten Jahrtausends ist die Kirche erneut zur Martyrerkirche geworden. Die Verfolgung von Gläubigen – Priestern, Ordensleuten und Laien – hat in verschiedenen Teilen der Welt eine reiche Saat von Martyrern bewirkt" (Nr. 37). Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich das Anliegen des Heiligen Vaters ohne Zögern zu Eigen gemacht. Die im Auftrag des Vorsitzenden der Liturgie-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Joachim Kardinal Meisner, zu leistende Arbeit fand bei den 27 Diözesanbeauftragten, bei den zehn Beauftragten der Visitatoren sowie bei den Provinzialaten der männlichen und weiblichen Ordensgemeinschaften regen Anklang. In knapp vier Jahren, die bis zum Heiligen Jahr 2000 noch blieben, konnte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Prälat Dr. Helmut Moll, auch dank der Hilfe von mehr als 135 Fachleuten das deutsche Blutzeugenverzeichnis erstellen. Bereits der Einführungsband "Die katholischen deutschen Martyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis" (Paderborn u.a., 1999), den der Verlag Ferdinand Schöningh im vergangenen Juni ausgeliefert hat, enthält eine Zusammenstellung der über 700 Männer und Frauen, die nach den bis heute geltenden Kriterien des späteren Papstes Benedikt XIV. (1740-1758) unter Einschluss der im Pontifikat Pauls VI. vorgenommenen Erweiterungen als Martyrer ausgewiesen worden sind; verschieden nach Herkunft und Geschlecht, nach Stand und Stellung, nach Beruf und Bildung, nach der Zeit, in der sie lebten und nach der Sprache, die sie erlernten, aber verbunden durch den einen Glauben und das gemeinsame Opfer ihres Lebens. Entsprechend dem Hinweis Johannes Pauls II. auf den "Ökumenismus der Martyrer" und dem "ökumenisch beredten Zug" (Nr. 37), den das Martyrologium haben soll, werden die nichtkatholischen Christen namentlich erwähnt und ihr Zeugnis ausdrücklich gewürdigt, sofern sie in ökumenischen Gruppen tätig waren. Das jetzt vorliegende zweibändige Hauptwerk "Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts" stellt alle 700 Personen in biographischen Artikeln von bis zu fünf Seiten vor, dazu – soweit vorhanden – mit einem Porträtfoto ausgestattet und mit einem Werk-, Quellen- und Literaturverzeichnis versehen. Es sind demnach viel mehr leidgeprüfte Menschen, die für die Wahrheit des Glaubens den gewaltsamen Tod erlitten haben, als wir zunächst vermutet haben, ohne dass hier der Anspruch erhoben wird, ausnahmslos alle wirklich erfasst zu haben. Das deutsche Martyrologium besteht aus vier Kategorien: 1. Größenwahn und Ideologie von Blut und Boden, Machthunger und verbrecherische Menschenverachtung prägten die Zeit des Nationalsozialismus. Die versteckten Angriffe nicht nur auf die katholische Kirche sowie die Aushöhlung des am 20. Juli 1933 geschlossenen Konkordats zwischen der deutschen Reichsregierung und dem Heiligen Stuhl provozierten eine Auseinandersetzung mit dieser Terrorherrschaft. Millionen wurden geschunden und gequält, getötet und ermordet. Soldaten wurden in kaum lösbare Gewissenskonflikte gestürzt und in die Untaten des Zweiten Weltkriegs und der Gewalt verstrickt. Gleichwohl wuchs die Zahl derjenigen, die sich über Hitlers Verbrechen empörten, von Jahr zu Jahr. Auch aus Gründen des Glaubens schlossen sich Menschen zusammen, um als "Zeugen für Christus" zu widerstehen. 170 Priester aus deutschen Bistümern und den Jurisdiktionsbereichen der Visitatoren starben – häufig in Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen –, dazu 58 Ordensmänner aus 23 Orden bzw. Kongregationen, vier Ordensfrauen, zwei Mitglieder von Instituten des geweihten Lebens sowie 120 Laien, 106 Männer und 14 Frauen. Das Ehepaar Kreulich aus Essen ging gemeinsam in den blutigen Tod. Während die Priester in der Regel gut erforscht sind, betritt das "deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts" bei den Laien weithin historisches Neuland. 2. Die chronologisch weiträumiger gefasste Kategorie der Blutzeugen aus der Zeit des Kommunismus darf ebenso wenig dem Vergessen anheim fallen. Nach der Oktoberrevolution 1917 in Rußland kam es auf Grund der Trennung von Staat und Kirche zu einer fortschreitenden Auflösung der Institution der römisch-katholischen Kirche. Unter Stalin, seit 1927 Diktator der Sowjetunion, mussten viele Menschen ihr Leben einbüßen. Zwei rußlanddeutsche Bischöfe und über 70 Priester starben um ihres Glaubens willen in den dreißiger Jahren eines gewaltsamen Todes. Darüber hinaus wurden über 30 Donauschwaben – Bischöfe, Priester und Laien –, die unter dem kommunistischen Staatspräsidenten Tito oft grausam ermordet worden waren, in das Martyrologium aufgenommen. 3. Die Kategorie der Reinheitsmartyrien stellt 61 schutzlose weibliche Jugendliche, Ordensschwestern und Frauen vor allem aus den Ostgebieten vor, die in der Kraft des Glaubens ihren unsittlichen Angreifern die Stirn geboten haben, dabei aber tödlich verletzt wurden. Weitere 12 männliche und zwei weibliche Beschützer der bedrohten Frauen bilden ein bisher wenig beachtetes Phänomen. Indem sie sich den Rotarmisten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs unerschrocken widersetzten, um Schutzbefohlenen das Leben zu retten, wurden sie zu Opfern blutiger Rache. 4. Die Blutzeugen aus den Missionsgebieten thematisieren den Zusammenhang von Mission und Martyrium. In unserem Jahrhundert zogen Tausende in verschiedene Länder aller Kontinente, um das Evangelium Jesu Christi unter den Bedingungen ihrer Zeit zu verkündigen. Nicht wenige von ihnen mussten dabei bestehende Animositäten der Stammesreligionen aus dem Weg räumen oder ideologischen Machenschaften trotzen. Allein 116 Patres und Brüder, 60 Ordensfrauen sowie die Missionsärztin Johanna Decker aus Nürnberg gaben – in China, Nordkorea, Papua-Neuguinea, auf den Philippinen, in der Demokratischen Republik Kongo, in Simbabwe, Namibia und Brasilien – ihr Leben für die einmal erkannte Wahrheit. * Unter Aufbietung aller noch erreichbarer Zeitzeugen, die der Untersuchung sämtlicher noch vorhandener Quellen, die wichtige Lebensdaten bargen, ist der Herausgeber des vorliegenden deutschen Martyrologiums zusammen mit den mit ihm zusammenarbeitenden Fachleuten allen Wegen nachgegangen, um die Martyrer des 20. Jahrhunderts dem Vergessen zu entreißen. Unter dieser Rücksicht kann im Blick auf das fast 1.400 Seiten starke Werk von einer Forschungs- und gewiss auch Pionierarbeit gesprochen werden, weil hier eine große Zahl von Martyrern aus allen vier Kategorien zum ersten Mal biographisch erfasst worden ist. Die deutschen Bischöfe danken dem Herausgeber, Herrn Prälat Dr. Helmut Moll, Köln, mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die unermessliche Arbeit an diesem Werk, die sorgfältige Überprüfung, die gute Zusammenarbeit mit vielen Fachleuten, die Zuverlässigkeit in der Planung und die kirchliche Gesinnung. Dem Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, danke ich nicht nur für die Freistellung von Herrn Prälat Dr. Moll für diese Aufgabe, sondern auch für die konkrete Verantwortung, die er als Vorsitzender der Liturgischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz für dieses Projekt übernommen hat. |
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